Fast 100 Jahre wurde
in Württemberg ein für die harten Bedingungen der Landwirtschaft
geeignetes Warmblutpferd mit der Härte des Artillerie-Stangenpferdes
gezüchtet. Ein kräftiges, ruhiges, ausdauerndes und anspruchsloses
Warmblutpferd war das Ziel. Landstuten mit viel Araberblut und Stuten
aus Ostpreußen waren die mütterliche Grundlage. Hengste aus
der Normandie formten die Rasse- Der 1888 geborene „Faust“,
ein Anglo-Normanne wurde zum Stammvater der Zucht. Durch Inzucht wurde
sein Typ in der Population gefestigt. In wenigen Jahrzehnten entstand
so das Württemberger Warmblut als eigenständige, durchgezüchtete
Rasse. Es war ein ideales Pferd für die Landwirtschaft. Aufrichtung
und Kaliber machten dieses Pferd auch für Kutsche und Sattel interessant.
Die Faustnachkommen prägten die Landeszucht bis in die 60er Jahre.
Hauptzuchtgebiete waren das Württembergische Oberland und Hohenzollern,
aber auch die Gegenden um Ludwigsburg, Leonberg, Herrenberg, Esslingen
und Göppingen.
Mit zunehmendem
Wohlstand in den fünfziger und sechziger Jahren begann dem Käuferwunsch
entsprechend die Umzüchtung des Württemberger Warmblutpferdes
zum Reitmodell. Ein bewährtes Produkt langjähriger, mühsamer
Zuchtarbeit war rasch und schnell ins Abseits geraten.
Im Februar 1988 trafen sich, sozusagen in letzter Minute, Freunde des
klassischen Württemberger Warmblutpferdes und gründeten den
„Verein zur Erhaltung des Altwürttemberger Pferdes e.V.“.
Der Verein hat heute ca. 110 Mitglieder, aktive Züchter und Förderer.
Damals wurden die noch
lebenden Stuten mit mindestens 50 Prozent Blutanteil aus der früheren
Zucht erfasst. Es waren noch über 150 Tiere. Leider fanden von
diesem nur 22 Eingang in die Erhaltungszucht. Gegenwärtig umfasst
die Altwürttemberger Population 48 eingetragene Stuten, denen noch
etwa 60 nachgezogene jüngere Stuten zuzurechnen sind. Ein Drittel
dieser Tiere weist einen Genanteil des alten Württemberger Warmblutes
von mehr als 43 Prozent auf. Acht eingetragene Hengste aus vier verschiedenen
Linien stehen der Zucht zur Verfügung. Diese Zahl erscheint in
Bezug auf die Zahl der Stuten hoch, ist aber angebracht, um weiteren
Genverlust in einer kleinen Population zu vermeiden. Das Tierschutzgesetz
sieht hier besondere Regelungen vor, die auch zur Erhaltung des ehemaligen
Württemberger Warmblutes Verwendung finden.
Die Basis der zu aktivierenden Zucht waren die langlebigen, fruchtbaren
Stuten mit hoher Nutzungsdauer und vor allem mit bester Gesundheit.
In den ersten Jahren war die Entwicklung der Population recht mühsam.
In den Jahren 1988 bis 1990 wurden nur 10 bis 13 Stuten jährlich
gedeckt, zu wenig, um den Bestand zu remontieren. Erfreulich war, dass
einige über 20 Jahre alte Stuten noch Fohlen brachten. Schon die
ersten Fohlen konnten den für die Rasse festgelegten Brand erhalten:
das württembergische Hirschhorn mit drei Zacken.
Auf der Hengstseite sah es zum Beginn der Bemühungen um die Erhaltung
der bewährten Pferderasse bereits schlecht aus. Keine reingezogenen
Hengste der früheren Zuchtrichtung waren mehr vorhanden. So waren
die wenigen mit Altwürttemberger Vorfahren empfohlen, wie der Rappe
Abendruf und der Braune Jurist, ein Jugolsohn.
Nach der Wende lag es nahe wegen des Hengstmangels Anleihe bei den Schweren
Warmblüter in Moritzburg zumachen. Die ausgewählten Hengste
haben sich bislang bewährt, werden aber nur als Zwischenlösung
verstanden.
Der Hengst Sorent kennzeichnet den Beginn der neuen Generation. Als
erster Altwürttemberger Hengst stand der 1988 geborene Braune,
noch aus der reinen Altwürttemberger Stute Solara von Sombrero
stammend, im Deckjahr 1992 bereits im Einsatz. Ihn zeichnet eine hervorragende
Fruchtbarkeit aus. Seine guten Fohlen zeigen Linie und Kaliber.
Anlässlich der
Fohlenschauen beweist die Altwürttemberger Nachzucht, dass sie
sich bei mehr Kaliber dennoch im Gangvermögen sehr wohl mit den
Fohlen der Reitpferdezucht messen kann. In diesem Jahr konnten unter
den 8 bei der Fohlenschau in Marbach vorgestellten Fohlen 3 eine Gold-Plakette
erhalten.
Zur Einbindung weiterer wertvoller Genanteile können Warmblutstuten
mit mindestens 30 Prozent Altwürttemberger Vorfahren zu den Altwürttemberger
Hengsten zugelassen werden, ohne dass sie ihren Status in der Reitpferdezucht
verlieren.
Ein klares Zuchtprogramm, sein angenehmer und umgänglicher Charakter,
sowie seine Leistungsbereitschaft haben den Altwürttemberger als
vielseitig verwendbares Nutz- und Freizeitpferd am Wagen und unter dem
Sattel wieder bekannt gemacht. Trotz der langen Generationenfolge haben
die Züchter in wenigen Jahren bereits viel erreicht. Das Land Baden-Württemberg
unterstützt die Erhaltung dieser ureigenen Rasse seines Landes.
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